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10 Jahre Speed in Style - 25 Jahre Freestyle Ranch

Mit dem heute beginnenden NRHA Germany Speed in Style gbt es gleich doppelt ein Jubiläum: zum einen ist es das zehnte Mal, dass dieses Reiningturnier in Erbach stattfindet, und zum anderen ist es das 25-jährige Jubiläum der Freestyle Ranch überhaupt. Diese feiert ihr Anniversary aber ohnehin noch extra am 6. September (wir berichteten). Die NRHA Germany Pressestelle hat die Ranch vorab besucht. Daraus entstand das nachfolgende Porträt.


Freestyle Ranch Luftbild

Die Freestyle Ranch von Julia Kaiser und George Maschalani feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum. 1989 gründeten Julia und George in Coppenbrügge / Niedersachsen die Freestyle Ranch, einen Trainingsbetrieb mit 14 Boxen, einem Reitplatz  und der Möglichkeit zur Mitbenutzung einer in der Nähe liegenden Reithalle. „Unseren ersten Reitplatz haben wir noch eigenhändig geschoben“, erinnert sich Julia Kaiser. „Die ersten Pferde waren Vollblüter von der Rennbahn, die wir aufs Westernreiten umgestellt haben. Das machte Riesen Spaß und lohnte sich auch, nur meine Eltern durften nichts davon wissen.“

Freestyle Ranch

Julias Eltern waren im Verlagsgeschäft tätig und hofften, dass ihre Tochter und ihr Mann George den Kinderbuchverlag später übernehmen würden. Daher verlangten sie eine entsprechende Ausbildung bei Beiden. So studierte Julia Grafikdesign, George wurde gelernter Buchhändler – und trainierten nebenbei heimlich ihre Pferde. 1989 fiel die endgültige Entscheidung zugunsten der Pferde. Julias Eltern waren zunächst enttäuscht, ließen sich aber durch den unübersehbaren Erfolg des bisherigen Trainingsbetriebes überzeugen. Das erste American Quarter Horse kam über Roger Kupfer, bei dem George ein Praktikum machte, ins Haus: die Stute  Mary For Money, mit der George 1990 Dritter auf der NRHA Futurity (damals noch als Non Pro) und 1991 Niedersachsenmeister Reining wurde.

Maschalani Shining Olena

Mit den ersten Turniererfolgen ging es auch rasch aufwärts mit dem Trainingsbetrieb. Schnell stellte sich heraus, dass die Nachfrage mit den vorliegenden Gegebenheiten nicht befriedigt werden konnte und eine eigene Trainingsanlage her musste. Also machten sich Julia und George zusammen mit Julias Eltern, die die Beiden von nun ab voll unterstützten und ihre Jugendstilvilla in der Nähe von Frankfurt verkauften um das nötige Kapital zu schaffen, auf die Suche nach einem entsprechenden Betrieb. In Erbach im Odenwald wurden sie fündig mit dem Rossbacher Hof, einem 1750 erbauten Gutshof der Grafen von Erbach. „Wir schlossen einen „Generationen-Vertrag“- meine Eltern kauften den Hof und wir betreuten sie bis zum Lebensende,“ berichtet Julia dankbar. Allerdings war das Anwesen noch verpachtet und so zogen sie mit „Pferd und Kegel“ von Niedersachsen auf die Wintermühle in Neu Anspach im Taunus um dem neuen zu Hause etwas näher zu sein und besser „ein Auge darauf“ haben zu können. Auf der Anlage von Arnold Winter hatten sie im Vergleich zum selbstgeschobenen Reitplatz zwar traumhafte Trainingsbedingungen, aber nur leider keine Wohnung. So verbrachten sie die zwei Jahre Wartezeit im Wohnwagen neben dem Stall. „Das war unsere härteste Zeit. Wir waren froh als wir am 1.August 1994 endlich in Roßbach einziehen konnten“, erinnert sich Julia. Zuvor veranstalteten die Beiden noch auf der Wintermühle ihre erste AQHA approved Show und managten die Meldestelle noch komplett von Hand – heute betrachtet kaum vorstellbar!

Das erste Jahr im neuen Heim begann allerdings mit einem Schock – bedingt durch einen Wasserschaden stürzte die zur Reithalle umgebaute historische Scheune ein und legte den gerade aufblühenden Trainingsbetrieb für über ein halbes Jahr lahm. „Es tat weh mit ansehen zu müssen, wie die gerade erst eingezogenen Trainingspferde wieder abgeholt wurden. Noch dazu mussten wir eine große, nicht eingeplante Summe aufnehmen, um eine neue Halle zu bauen. Aber in jedem Schaden steckt auch was Gutes. Nun konnten wir eine Halle in den Standartmaßen 20x40m unser Eigen nennen“, berichtet George.

Freestyle Ranch Halle

Mit dem Rossbacher Hof bauten die Maschalanis ihre Quarter Horse Zucht aus. Die Hengste Doc Tivio Higgins, Po Bayoto Doc und Little Big Boss fanden in Erbach eine neue Heimat. Genauso wie Charcool, den George das erste Mal bei Leckebuschs kurz vor einem Turnier sah, als er sich standhaft weigerte, den Reitplatz zu betreten. Er arbeitete den für fast unreitbar erklärten Hengst zwei Tage lang und belegte gleich einen guten dritten Platz; drei Monate später wurden die Beiden Europameister in Western Riding. Dazu kann man nur sagen: Gesucht- gefunden! Mehr und mehr ausgewählte Stuten kamen hinzu, so dass die Freestyle Ranch zeitweise der größte Züchter Deutschlands war. 2004 wurde Julia Kaiser DQHA Breeder of the Year.

Mit dem Bau einer großen Showhalle in den Maßen 35x70m im Jahre 2002 empfahl sich die Anlage als Turnierstandort. Bereits 2001 war die erste DQHA Fohlenschau veranstaltet worden, 2003 folgte dann das erste Western Breed Classic – ein Westernturnier gedacht für alle drei Zuchtverbände: AQHA, APHA, ApHC. Es war hier angedacht, dass sich die einschlägigen Westernpferderassen auch mal miteinander messen können. 2004 war die Ranch Gastgeber des ersten Speed In Style, das längst einen festen Platz im NRHA Germany Turnierkalender hat und sich wegen des optimalen Bodens bei den Reinern größter Beliebtheit erfreut. Weitere Turniere sind die DQHA Südfuturity sowie NRHA Germany Regio Shows.

Kaum jemand weiß heute noch, dass George Maschalani sich intensiv für die Etablierung des Quarter Mile Racing in Deutschland einsetzte. „Wir haben das erste AQHA anerkannte Quarter Horse Race auf deutschem Boden veranstaltet“, so George Maschalani. „Wir begannen in Gotha mit vier Rennen a 4 Startern unter amerikanischen Jockeys. Sogar ein amerikanischer Rennpferdetrainer war da. Alles ließ sich sehr vielversprechend an, sogar Paul Schockemöhle war daran interessiert mit einzusteigen. In der Folge haben wir etliche Rennpferde importiert und günstig verkauft unter der Bedingung, dass sie auch gestartet werden. Sogar in München-Riem hatten wir Schaurennen.“ Leider verliefen sich die Bemühungen jedoch im Sande. „Wir wollten langfristig alle drei Westernpferderassen integrieren, aber die Verhandlungen mit den Verbänden waren extrem mühsam, genauso wie die mit den großen Galopprennbahnen, denen es damals noch sehr gut ging. Schließlich gaben wir es auf.“ Immerhin ergaben sich aus der Anpaarung einiger Rennstuten mit Charcool erfolgreiche Nachkommen in Erbach, darunter den Deutschen Meister FR Joe Cool oder die Vize Europameisterin in Halter Que Pasa Coolina.

Charcool

Mit den Trainingspferden und der eigenen Nachzucht feierte George Maschalani zahllose Erfolge. Zweimal gewann er die NRHA Futurity, war etliche Male Europa- sowie Vize Europameister, unzählige Male Deutschermeister (auf der DM in Münster holte er diesen Titel gleich 5x!), sowie DQHA Futurity und Maturity Champion. Und das durch so ziemlich  alle Disziplinen des Westernsports. 1999 gewann er das erste Finale zur Bildung einer ersten deutschen Reining Nationalmannschaft und gehört seit dieser Zeit zum Kader; mit dem selbst gezogenen FR Little Tom stellte er den Sieger aller „Commong Six“ Wettbewerbe im Jahre 2006. 2012 wurde er Deutscher Vizemeister in der FN Reining. Ferner wurde er von den EWU Reitern zwei Mal zum Reiter des Jahres gewählt und ist Inhaber des Goldenen Reitabzeichens. 1997 erhielt er die Lufthansa Cargo Fairplay Trophy. Zudem ist er anerkannter Ausbilder für Pferdewirte und verantwortlich für die Ausbildung der Westerninstruktoren in Österreich  und hat die Richterkarten der NRHA, FEI, AQHA, APHA, NCHA und NSBA. ... und das Allerwichtigste: seit 2006 ist er Papa von Thea!

Die Freestyle Ranch hat sich heute nicht nur als Zuchtbetrieb und Veranstaltungsort etabliert, sondern ist auch einer der ganz wenigen Reitställe, die über Schulpferde verfügen. Die Zucht wird heute im kleineren, aber feinen Rahmen betrieben. Auf artgerechte Aufzucht legen die Maschalanis großen Wert. „Alle unsere Fohlen, auch die Hengste, wachsen im Herdenverband auf“, so Julia Kaiser. „Bei uns steht kein Dreijähriger in der Box. Das macht sich bezahlt: unsere Pferde sind leicht zu reiten und haben ein gutes Sozialverhalten. Zudem reiten wir unsere Pferde erst mit 3 ½ Jahren an.“

Freestyle Ranch Herbstimpression

Und was ist für die Zukunft geplant? „Wir machen weiter wie bisher“, so George Maschalani, der seine Pferde auch selbst beschlägt und die Zahnkontrolle übernimmt. Allerdings nehmen wir uns jetzt auch mal Zeit für uns und fahren in Urlaub, so ist Julia etliche Wochen im Jahr als ehrenamtliches Stammcrewmitglied mit einem Großsegler auf See. Ich showe und richte heute nur, wenn ich es auch will. Wir haben gute Lehrlinge und mit Michelle Dequis eine hervorragende Co-Trainerin. Und für die Zukunft gibt es auch schon neue Pläne…“