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Studie: Geburt ist für Pferde keine Stress-Situation

Nicht bei jeder Spezies ist die Geburt mit Stress und Schmerzen für die Mutter verbunden. Eine Studie von Christina Nagel von der Vetmeduni Vienna beschäftigte sich mit den Vorgängen im Körper von Stuten während der Geburt. Das verblüffende Resultat: während der Geburt befinden sich die Stuten in völliger Ruhe und Entspannung.


Bei der Studie beobachtete man 17 Stuten des Brandenburgischen Staatsgestütes in Neustadt (Deutschland) und zeichnete während des Abfohlens kontinuierlich ein Elektrokardiogramm auf. Zudem wurden Blut- und Speichelproben entnommen zur Bestimmung der Stresshormone Cortisol und Adrenalin.

„Überraschenderweise kam es während der Geburt der Fohlen zu keiner Zunahme der mütterlichen Herzfrequenz. Stattdessen setzten bei den meisten der untersuchten Stuten immer wieder einzelne Herzschläge sogar ganz aus“, erklärt Nagel. Ursache dafür ist eine verzögerte Erregungsleitung im Herzen. Beim Menschen entsprechen solche, als AV-Blocks (atrioventrikuläre Blocks) bezeichnete, Herzrhythmusstörungen einem Krankheitsbild. Bei Pferden kommen AV-Blocks dagegen auch in Ruhesituationen, z.B. im Stall, regelmäßig vor und sind ein Ausdruck von Entspannung. In Bewegung, z.B. beim Reiten, schlägt das Pferdeherz dann schneller und regelmäßig. Auch die Freisetzung von Stresshormonen bleibt bei Stuten während der Geburt gering. Die Geburt bewirkte also keine hormonelle Stressreaktion. Auch die Sorge der Stute um das neugeborene Fohlen stellte keine Belastung für das Tier dar. Im Gegenteil, der Kontakt mit dem gesunden Neugeborenen war mit einer messbaren Erleichterung bei den Stuten verbunden.

„Geburten setzen bei der Stute einen Zustand von Ruhe und Entspannung voraus. Das stellt in freier Wildbahn einen Überlebensvorteil dar. Die Stute kann die Geburt nämlich so lange hinauszögern, bis die Umwelt als sicher und gefahrlos empfunden wird. Dann läuft die Geburt des Fohlens aber extrem schnell ab“, erklärt Christine Aurich, die Leiterin der Forschungsinstituts. „Alle untersuchten Stuten bekamen ihr Fohlen in der Nacht, wenn es im Stall besonders ruhig war.“

Der Artikel „Parturition in horses is dominated by parasympathetic activity of the autonomous nervous system“, von Christina Nagel, Regina Erber, Natascha Ille, Mareike von Lewinski, Jörg Aurich, Erich Möstl und Christine Aurich wurde in der Fachzeitschrift Theriogenology veröffentlicht. http://dx.doi.org/10.1016/j.theriogenology.2014.03.015
Quelle: Tiergesundheit aktuell