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"Trainer sollten Horsemen sein" - Gedanken zur Pferdeausbildung mit Bernie Hoeltzel

Das Anreiten der jungen Pferde ist im vollen Gange. Am Ende der Saison soll möglicherweise der Futurity Start stehen. NRHA Germany Sportwart, Trainer und Richter Bernie Hoeltzel über seine Philosophie der Pferdeausbildung – die ‚FEELosophie‘.


„Auch in der Pferdeausbildung sollten wir natürlich ein Ziel vor Augen haben, doch das Pferd gibt vor, wie lange es dauert, dieses Ziel zu erreichen. Das A und O des Pferdetrainings – gleichgültig für welche Disziplin – ist eine solide Basis, auf die ich jederzeit zurückgreifen kann, wenn es Probleme gibt. Diese Basis braucht ihre Zeit – Abkürzungen rächen sich unweigerlich. Wenn die Basis stimmt, kann ich bei Problemen im Laufe der Ausbildung einfach einen Schritt zurückgehen und von dort wieder aufbauen. Grundsätzlich muss das Anreiten so erfolgen, dass das Pferd Vertrauen zum Reiter aufbauen kann. Erstes Ziel für das junge Pferd ist, dass es sich unter dem Reitergewicht ausbalancieren lernt. Sobald es seine Balance gefunden hat, kann ich beginnen, seine Hinterhand zu aktivieren und es von hinten nach vorn ans Gebiss zu reiten – ohne künstliche Hilfen.

Beim Training kann es hin und wieder zu kleineren oder größeren Widersetzlichkeiten kommen. Das ist völlig normal, man muss nur wissen, wie man damit umgeht. Ist man vielleicht zu schnell vorgegangen? Oder hat das Pferd wirklich keine Lust und testet seinen Reiter? Wenn letzteres zutrifft, muss man sich durchsetzen und (wohl dosierten) Druck einsetzen. 

Viele Pferdehalter hören das Wort ‚Druck‘ gar nicht gern, dabei ist Druck im Interagieren von Lebewesen völlig normal. Auch für ein Pferd ist Druck kein Problem, kennt es doch schon aus der Herde, dass es dem Druck des Ranghöheren weichen muss. Aber es muss den Druck auch verstehen. Bevor man Druck macht, muss der Reiter wissen, warum sein Pferd etwas nicht tut. Widersetzt es sich tatsächlich der Hilfe oder versteht es einfach nicht, was es tun soll. Ist letzteres der Fall, muss ich dem Pferd erst verständlich machen, was ich von ihm will. In diesem Fall mehr Druck zu machen, würde das Pferd nur verwirren und verängstigen. Das führt dann dazu, dass das Pferd ‚das Loch im Zaun sucht‘, wie ich es nenne. Ein Pferd ist ein Fluchttier. Wenn ihm etwas Angst oder Schmerzen bereitet, wird es versuchen, davor zu fliehen. Wenn es dagegen versteht, warum Druck gemacht wird, wird dies keine Angst auslösen.

Wenn das Pferd eine bestimmte Hilfe sehr wohl kennt, aber ihr auf Anforderung nicht oder nur ungenügend nachgibt, muss deutlicher gefragt werden. Der Druck wird verstärkt, wobei man immer von ganz wenig nach oben hin aufbaut. Unser Ziel ist ein Pferd, das auf feinste Hilfen weich und willig reagiert. Diese Feinheit erreiche ich nur, wenn ich den Druck langsam steigere und sofort weich werde, wenn das Pferd reagiert.

Du kannst immer dann mehr verlangen, wenn das Pferd versteht, was Du willst und wenn es physisch in der Lage ist, das Manöver auszuführen. Dazu muss ein Trainer lernen, vor allem mehr Horseman zu sein als Mechaniker. Und das gilt für jeden Reiter, denn wann immer Du Dich auf Dein Pferd setzt, trainierst Du es auch – so oder so.

Reiten hat viel mit Tanzen zu tun. Wenn Du Deinem Partner / Deiner Partnerin im Weg bist, wird es nie harmonisches Tanzen, und ihr stolpert ständig über eure Füße. Im Reiten ist es genauso: wenn Du Deinem Pferd im Weg bist, wird es immer versuchen, einen Ausweg aus der Situation zu finden.

Und das wichtigste: Enjoy your ride