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Interview mit LA MESA

Die NRHA Germany Im Gespräch mit Ute Wilhelm von La Mesa Performance Horses


NRHA Germany:
Liebe Ute, seit vielen Jahren steht La Mesa Performance Horses für Reining-Pferde vom Feinsten. Woher stammt der spanisch klingende Name La Mesa?

Ute Wilhelm:
Danke für das Kompliment. Gerd und ich haben schon seit ca. 1990 Quarter Horses und 1996 kauften wir eine wunderschön gelegene Ranch inklusive 128 Pferden in den USA im Bundesstaat New Mexico, nahe der Staatsgrenze zu Colorado in den Foothills der Rocky Mountains. New Mexico und Colorado sind sogenannte „Brand Inspection States", in denen Rinder 30 Tage nach Eigentumsübergang vom neuen Besitzer mit dem rancheigenen Brandzeichen gebrannt werden müssen. Bei Pferden ist dies keine Pflicht, wird aber zum Diebstahlschutz empfohlen. Unser Brandzeichen wurde mittlerweile zu unserem Markenzeichen.

Die atemberaubenden Sonnenaufgänge und eine gute Flasche Wein haben uns beim Entwurf unseres Brandzeichens inspiriert. Das La Mesa Brandzeichen steht für „Rising sun at the Mesa" und bedeutet „Aufgehende Sonne an der Mesa".
La Mesa wiederum ist das spanische Wort für Tisch oder Tafelberg und so benannten wir unsere Ranch und unseren Pferdezuchtbetrieb „La Mesa”, da unsere Ranch direkt an einem solchen Tafelberg lag.

NRHA Germany:
Wie seid ihr ursprünglich zum Reining-Sport gekommen?

Ute Wilhelm:
Wir hatten eine Firma und suchten nach einem entspannenden Ausgleich an den Wochenenden mit einer gelassenen und handlichen Pferderasse. Nach einigem Suchen hatten wir uns für die Quarter Horses entschieden. Das war ca. 1990. Zunächst hatten wir Freizeit-Quarter Horses, aber schon bald wollten wir mehr über das Westernreiten und die Rasse lernen. Somit schnupperten wir in alle Disziplinen rein, in denen ich dann auch showte. Hängen geblieben sind wir letztendlich bei Cutting und Reining. 1993 verliebten wir uns in den dunalino Reining Hengst GOLD MATADOR, kauften ihn von Bernie Hölzl und machten unsere ersten Erfahrungen im Zuchtbereich

NRHA Germany:
Wie habt ihr die Zeit in den USA erlebt?

Ute Wilhelm:
Von 1996 bis 2006 lebten wir in den USA vorwiegend auf unserer Ranch in New Mexico, später kauften wir uns eine zweite Ranch in Marietta, Oklahoma. Neben der Liebe zur unglaublichen Landschaft in New Mexico und den südlichen Rockies fand Gerd seine Liebe zur Quarter Horse Zucht. Inspiriert durch unsere wunderbaren Züchter-Freunde in den USA, die uns motiviert hatten und Gerd’s „Auge“ für sehr gute Pferde entdeckten.

Dann packte uns der Ehrgeiz: Wir wollten alles rund um die Pferdezucht ganz genau lernen und wissen. Unter anderem besuchten wir Kurse an der Colorado State University zu Reproduktionstechniken und Pferdezucht, Aufbau einer Deckstation im nördlichen New Mexico und gründeten einen Kühlsamenversand in die gesamte USA und Canada. Außerdem sammelten wir erste Erfahrungen mit Embryo Transfer, organisierten die Zuchtstutenherde um und machten viele gute und leider auch schmerzliche Erfahrungen beim Abfohlen und Betreuen von bis zu 40 Stuten pro Jahr.

NRHA Germany:
Wie sieht euer Breeding Konzept aus? Bevorzugt ihr bestimmte Anpaarungen?

Ute Wilhelm:
Vor Ort konnten wir die Entwicklung der Reining-Zucht in den USA sehr gut beobachten. Besonders auffallend war der immer größer werdende Einfluss der Cowhorses im Reining. Wir haben einen Faible für die geschmeidige Athletik dieser Rasse Blutlinien und hatten es uns als Ziel gesetzt, Pferde für den ambitionierten Amateur zu züchten. Vorwiegend Reiner mit einem sehr guten Mind und zusätzlich für denn vielseitigen Einsatz tauglich. In den USA war es wichtig, dass diese Pferde neben Reining Turnieren auch für die Cowhorse, Rancharbeit und Familie eingesetzt werden konnten.

Nun war es an der Zeit nach einem weiteren Deckhengst Ausschau zu halten. In den USA waren die SHINING SPARK Nachkommen durch ihre Vielseitigkeit (Reining, Cowhorse, Roping) schon damals sehr populär geworden, zudem auch sehr teuer. Carol Rose wollte nicht Masse sondern Klasse züchten – es gab weder Kühl- noch TG-Samen von dem Hengst. Bei Carol Rose ist uns gleich SHINERS VINTAGE durch seine beeindruckende Ausstrahlung und seinen tollen Körper ins Auge gesprungen, so dass wir ihn im Januar 2000 kauften.

NRHA Germany:
Kannst Du uns einen Einblick in SHINERS VINTAGEs Wesen und sein Leben geben?

Ute Wilhelm:
SHINERS VINTAGE (Shining Spark x Taris Vintage) ist inzwischen 21 Jahre alt. Er ist ein Hengst mit einer beeindruckenden körperlichen und mentalen Präsenz: bildschön mit absolut korrektem Gebäude, sehr talentiert und er verfügt über eine ausserordentliche Mutterlinie. Die Nachkommen und Enkel von TARIS VINTAGE haben bisher über 1 Mio $ gewonnen. Ihrer Linie entstammen 3 NRHA Open Futurity Champions (HOLLYWOOD VINTAGE, TARIS DESIGNER GENES und NOT RUF AT ALL).

In den USA wurde SHINERS VINTAGE von Bob Avila ausgebildet und bei Carol Rose von Mike Berg auf wenigen Turnieren erfolgreich vorgestellt. Wir holten ihn 5-jährig nach New Mexico, deckten die ersten Stuten und gaben SHINERS VINTAGE dem jungen talentierten Trainer Lance Shockley ins Training, um ihn in der Rocky Mountain Area im Reining vorzustellen und bekannt zu machen.

2000 und 2001 waren Lance und SHINERS VINTAGE ein sehr erfolgreiches Team mit vielen NRHA und AQHA Champion und Res-Champion-Titeln. Die beiden gewannen unter anderem die USET Qualifikation in Denver und schafften es durch das Halbfinale in OKC bis zum USET Finale in Gladstone NY. Das war damals ein „großes Ding“ und ein riesen Erfolg. Auch als „Sire“ hat sich SHINERS VINTAGE einen sehr guten Namen gemacht. Er hat ca. 180 registrierte Nachkommen, 21 davon wurden im vergangen Jahr erfolgreich auf Turnieren vorgestellt.

SHINERS VINTAGE ist mental ein starker Hengst, der in den vergangenen Jahren zwei sehr schwere Krankheiten überstanden hat. Durch einen schweren Sturz vor zwei Jahren mit Fraktur ist seine Bewegungsmöglichkeit eingeschränkt, er hat sich jedoch damit arrangiert und ist schon fast wieder der „ Alte“. Er genießt seinen täglichen Koppelgang und freut sich, immer mittendrin und dabei zu sein. Beim Absetzen platzieren wir die Fohlen zu ihm, da er viel Ruhe und Sicherheit ausstrahlt.

NRHA Germany:
Durch das Leben in den USA habt ihr bestimmt viele Kontakte knüpfen können, oder?

Ute Wilhelm:
Durch den Kauf der zweiten Ranch in Marietta, OK sind wir glücklicherweise mit vielen erfahrenen Quarter Horse-Züchtern und Trainern in engen Kontakt gekommen, die uns auch viel von ihrer langjährigen Erfahrung weitergegeben haben und mit denen wir zusammen arbeiteten. Hierzu gehören Bob Loomis, Dick Pieper, Jordan Larson, Barbara Williams, Todd Crawford, Carol Rose, Bobby Lewis und auch einige unserer Cutting Freunde.

Bob Loomis hat uns auf den wichtigen Einfluss guter Stuten in der Zucht aufmerksam gemacht. Gemäß seiner Empfehlung haben wir stetig unsere Zuchtstutengruppe um noch bessere Stuten erweitert. Wir sind stolze Besitzer der jetzt 21 jährigen SMART CHICLET by Smart Chic Olena. Mit einem Produce-Record von knapp 180.000 $ ist sie eine der erfolgreichsten Zuchtstuten in Europa. Zwölf ihrer Nachkommen haben bereits diese Gewinnsumme gewonnen. Das Besondere ist aber, dass ihre Nachkommen gleichermaßen erfolgreich im Reining und Cutting sind. Auch die beiden ältesten Nachkommen wurden 2015 noch in Reining (GOOD OLE MR WILSON by Gallo Del Cielo) und Cutting (OH CAY SMART ALEC by Oh Cay Quixote) vorgestellt.

Desweiteren gehören zu unserer Zuchtstutenherde

  • REY J STARLIGHT by Grays Starlight LTE 20.000, producer of 7.200 $
  • TIDY WHIZ by Topsail Whiz (Vollschwester zu TOPGUN WHIZ), producer of  9.000 $
  • SOONERNIC by Reminic, LTE 3.000 $, producer of Futurity Finalisten und AQHA EC Bronze
  • LIGHT ME UP LINDA by Grays Starlight, producer of NRHA Futurity Finalist
  • EBONY CHIC CHEX by Smart Chic Olena, out of EBONY WHIZ
  • SHINING MONA by Shining Spark, das älteste Fohlen ist 3 Jahre alt

NRHA Germany:
Mit SHARP DRESSED SHINER habt ihr noch einen weiteren tollen Hengst im Stall stehen. Wie ist er so?

Ute Wilhelm:
2009 besuchten wir Carol Rose erneut und bei diesem Aufenthalt ist uns SHARP DRESSED SHINER aufgefallen. Er ist ebenfalls ein direkter Sohn von SHINING SPARK und aus der tollen Stute SMARTLY DRESSED (Smart Little Lena x Taris Vintage). Ihre Nachkommen haben bereits über 300.000 $ gewonnen, darunter ist auch SHINERS PARTY DRESS (NRHA European Futurity Open Champion).

Sharp Dressed Shiner

Als 3-jähriger gewann SHARP DRESSED SHINER auf seinem ersten Turnier den Reserve-Champion-Titel auf der Cowtown Classic Futurity mit Jay McLaughlin. Leider konnte er krankheitsbedingt auf der NRHA Futurity nicht seine volle Leistung zeigen, schaffte es aber dennoch ins Open L3 Finale. Der Befund wurde allerdings erst nach der Futurity diagnostiziert. 4-jährig ging er zu Jordan Larson, der absolut überzeugt von seinem großen Talent und Mind war. Leider gab es in diesem Jahr noch zwei krankheitsbedingte Rückschläge und er konnte wieder nicht sein ganzes Potenzial zeigen. Seit 2013 ist SHARP DRESSED SHINER in Prichsenstadt (Deutschland) auf der La Mesa Ranch. Er ist wieder top fit und kam auch 2013 zum ersten mal in Deckeinsatz. Seine ersten zwei Fohlenjahrgänge sind super: bildhübsch und die Fohlen haben einen tollen Mind. Nun sind wir natürlich neugierig und gespannt auf 2016, wenn die ersten Nachkommen unter den Sattel kommen.

SHARP DRESSED SHINER wird 2016 von Grischa Ludwig auf wenigen ausgewählten Turnieren vorgestellt.

Sharp Dressed Shiner

NRHA Germany:
Habt ihr in den USA auch selbst ins Turniergeschehen eingegriffen?

Ute Wilhelm:
Gerd hat sich auf das Anreiten unserer Nachzucht konzentriert und ich stelle gerne die eigene Nachzucht auf NRHA und AQHA Turnieren vor. Etwas Showerfahrung habe ich  auch in den USA gesammelt.

NRHA Germany:
Erzähl mir bitte von Eurer Anlage. Wie viele Pferde stehen zur Zeit bei euch und nehmt ihr auch Berittpferde?

Ute Wilhelm:
2006 haben wir La Mesa in Prichsenstadt gebaut und haben somit unser USA-Abenteuer beendet.

Wir haben zwei sehr talentierte junge Trainer angestellt, die wir schon aus den USA kannten und die einen tollen Job mit unseren jungen Pferden machen. Marie Demaris aus Frankreich und Christian Possetto aus Italien haben bei Trainern wie Jordan Larson, Todd Sommers, Casey Hinton, Scott McCutcheon und Vern Sapergia gelernt und gearbeitet.

Vom Anreiten bis zum fertig ausgebildeten Reining-Pferd trainieren wir auch Berittpferde und zusätzlich arbeiten wir gerne mit Non Pro- /Jugendreiter.

Unsere auf Reining ausgerichtete Trainingsanlage überzeugt durch ein gepflegtes und besonderes Ambiente. Wir verfügen über eine große und helle Halle von 30 x 65 Meter, einen Außenplatz 45 x 90 Meter, ein Round Pen, eine Führanlage, 20 Tageskoppeln, beheizter Wasch-/Putzplatz und ca. 20 ha Weiden.

Trainingspferde sind Hochleistungssportler und es ist uns ein Anliegen, sie optimal zu versorgen.

La Mesa steht für alternative und innovative Wege, sowohl in der Pferdebehandlung (Homöopathie etc.), als auch beim Energieverbrauch. Mit Green Energy beziehen wir Erdwärme und Strom ausschließlich aus erneuerbaren Quellen. Großen Wert legen wir auch auf bestes Kraft- und Raufutter, schließlich können sich die Pferde nur dann optimal entwickeln.

La Mesa

NRHA Germany:
Wie handhabt ihr das mit dem Verkauf von Pferden?

Ute Wilhelm:
Vorwiegend aus unserer eigenen Zucht verkaufen wir Pferde jeden Alters, vom Absetzer bis zum fertigen Turnierpferd. Seriöse und zuverlässige Beratung beim Training und Verkauf sind uns sehr wichtig.

NRHA Germany:
Kannst Du uns bitte etwas über Eure erfolgreiche Nachzucht erzählen?

Ute Wilhelm:
Wie schon erwähnt starten die Nachkommen von SHINERS VINTAGE erfolgreich auf Turnieren in allen Klassen, egal ob Allrounder, Einsteiger, Jugendlicher oder ambitionierter Non Pro- und Open-Reiter. Auch Nachkommen unserer Zuchtstuten von anderen Hengsten laufen bereits erfolgreich auf Turnieren.

Aus unserer Zucht stammen unter anderem:

  • CRI*** Champion,
  • AQHA, NRCHA Worldshow Finalisten
  • AQHA  European Champions, Futurity Champions
  • NRHA  Futurity Res-Champions und Derby Finalisten
  • NRHA  Champions Open & Non Pro, Youth
  • NCHA  Futurity Finalist Open und NCHA Champion
  • NRCHA Futurity Finalist Open und Worldshow Finalist Amateur

NRHA Germany:
Was für Pläne habt ihr für die Turniersaison 2016?

Ute Wilhelm:
SHARP DRESSED SHINER ist bis zur Decksaison bei Grischa Ludwig zur Vorbereitung und wird nach der Decksaison von Grischa auf verschiedenen Turnieren vorgestellt werden. Und LIGHTNING VINTAGE, ein sehr guter 4-jähriger Sohn von SHINERS VINTAGE in unserem Besitz  wird von Alex Ripper auf der NRHA European Futurity vorgestellt. Ansonsten sehen wir mal, wie sich unsere jungen Pferde entwickeln und auf welchen Turnieren wir sie präsentieren werden.

Es wird wieder spannend werden, auch all die anderen Pferde aus unserer Zucht auf den Turnieren zu sehen. Wir freuen uns darauf.

NRHA Germany:
Wichtig für Züchter und Turnierreiter sind auch die Verbände hinter dem Sport. Wie steht ihr dazu?

Ute Wilhelm:
Gerd engagiert sich seit 2008 sehr stark für die Reining-Verbände NRHA und NRHA Germany.

Sechs Jahre lang waren wir beide zum Beispiel maßgeblich am Aufbau der NRHA European Futurity  und des NRHA European Derby beteiligt.

Seit 2008 ist Gerd im Vorstand der NRHA USA und vertritt dort die Interessen der NRHA Germany und der europäischen Reiner allgemein. Als zweiter Vorstand ist Gerd seit 2015 zusätzlich in der NRHA Germany mit großem Engagement aktiv.

NRHA Germany:

Danke Dir Ute für das sehr private Interview. Ich wünsche Euch viel Erfolg für 2016 und kann nur sagen: Ein Besuch auf La Mesa lohnt sich!