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Interview mit Nico Hörmann

(Tom Dols / Regio NRW) Auf der Pferdemesse Equitana in Essen hatten wir die Möglichkeit, dem neuen Bundestrainer Nico Hörmann ein paar Fragen stellen zu dürfen. Der 36-Jährige war zweimal Deutscher Meister, 2007 Vize-Europameister und gewann mit dem Team 2007 und 2009 EM-Gold und 2011 EM-Silber. Außerdem nahm er an den Weltreiterspielen 2006 in Aachen und 2010 in Kentucky/USA teil. Zudem begleitete er in den vergangenen beiden Jahren die Championatsteams als Equipechef.


Tom Dols:  Vielen Dank Nico, dass Du Dir die Zeit genommen hast für dieses Interview und erst mal Glückwunsch zu Deinem neuen Job als Bundestrainer. Ich denke, viele kennen Dich, aber auch für die, die Dich nicht so kennen - wie war Dein Werdegang und wie bist Du zu dem Job gekommen, wo Du ja noch als Koordinator für das DOKR tätig bist?

Nico Hörmann: Vielen Dank Tom, das war jetzt so nicht geplant, denn man kann nicht planen, Bundestrainer zu werden. Kay Wienrich hat jetzt das Amt nieder gelegt, und da man mitten in der Saison ist, Aachen steht vor der Türe, war es natürlich jetzt auch nicht so möglich, jemanden dort einzuarbeiten. Daher haben sich die Aktiven sich erst mal für mich  ausgesprochen, dieses Amt zu übernehmen.

TD: Das heißt, so richtige Ziele als Reiningchef konntest Du Dir ja gar nicht setzen, weil es so kurzfristig auf Dich zu kam. Oder hast Du schon etwas, das Du optimieren möchtest. 

NH:  Grundsätzlich nicht als Bundestrainer, sondern als Koordinator ist man ja im Thema, und da gibt es natürlich Ziele. Diese sind ganz klar die Weltreiterspiele in Kanada 2018, wo wir endlich ´DIESE´ Medaille haben wollen. Als Gastgeber in Aachen möchten wir bestmöglich abschneiden, das wird ein tolles Event. Natürlich sind Veränderungen langfristig. Dieses bekommen wir nicht in einem halben Jahr hin, aber langfristig wollen wir uns für Kanada so aufstellen, um dieses Ziel zu erreichen, welches da heißt, unter die ersten Drei zu kommen. Vor allen Dingen ist mein Ziel, in die Reiningszene den FEI  Sport mehr zu verankern, weil wir diesen immer nur ganz kurz im Focus haben wenn Championate sind.

           

TD: Deinen ersten Einsatz als Bundestrainer wirst Du dann in Aachen haben, oder warst Du schon als Bundestrainer aktiv ?

NH: Ich hatte jetzt schon ein bis zwei Termine als Bundestrainer, wo es darum ging, Pferde zu sichten. Dazu dann jetzt Ostern der erste Sichtungslauf, sowie in Frankreich und beim Derby. Es folgt dann die Europameisterschaft der Junioren und Jungen Reiter bei Corinna Schumacher und im August die EM der Senioren in Aachen.

TD: Trainierst Du denn selber noch Pferde oder gibst Du noch Kurse, wie sieht da Deine Planung aus ?

NH: Ich trainiere noch begrenzt Pferde, wobei ich das in der letzten Zeit schon auf ein bis zwei Pferde reduzieren musste, da es vom Zeitlichen her kaum noch möglich ist. Kurse gebe ich noch am Wochenende, da kann man mich auch ganz normal buchen, mache das auch gerne, wenn ich Zeit habe.

TD: Das heißt auf den Turnieren werden wir Dich weniger auf dem Pferd sehen, sondern mehr als Coach und Trainer?

NH: Ja, ich hatte zwar schon einen Startplatz hier auf der Equitana, wo ich starten wollte, habe diesen allerdings wegen meiner Bundestrainer Tätigkeit gestrichen und ich werde auch, solange ich dieses Amt innehabe, auf Starts verzichten, weil sich das einfach nicht verträgt.

TD: Du hast lange Jahre Reiningpferde trainiert und jetzt als Bundestrainer noch mehr den Focus darauf. Was macht für Dich ein gutes Reiningpferd aus?

NH: Ein gutes Reiningpferd ist natürlich, wie in jedem Sport, ein Ausnahmepferd. Es gibt einige Pferde, denen alle Manöver leicht fallen, und die auch eine hohe Bereitschaft haben, dieses im Ring zu zeigen. Dagegen gibt es Pferde, die sind beim Abreiten sehr gut, jedoch im Ring machen diese dann oft Fehler oder verlieren die Nerven. Dann gibt es Pferde, die wachsen im Ring über sich hinaus oder geben mehr Leistung als man erwartet hätte. Das sind für mich Ausnahmepferde, die den Charakter und den Willen haben, dass Bestmögliche im Ring zu geben, dass beeindruckt mich nach wie vor jedes Mal.

TD:  Letzte Frage an Dich, wie können wir den Reiningsport noch populärer machen? Wir haben hier auf der Equitana den Reiningcup, aber wenn man mal mit den Besuchern spricht und diese nach den Manöver einer Reining fragt, bekommt man selten eine richtige Antwort.

NH: Wir haben das früher sehr viel mehr veranstaltet auf den Messen, aber da ist die Westernszene generell ein bißchen davon weggegangen. Ich glaube, man war nachher auch ein wenig verwöhnt. Die Reiter haben natürlich einen gewissen Anspruch an die Böden, die Bedingungen müssen Top sein. Dann ist man immer mehr nach Kreuth gegangen, und dadurch hat man nach und nach immer mehr Veranstalter verloren, wodurch man sonst eigentlich sehr viel neue Leute in die Szene geholt hat, das bemängele ich ein bißchen. Ich glaube, wir müssen ein Stück weit zurück gehen, auch wenn die Bedingungen dann nicht immer ganz optimal sind und wir nicht das Beste zeigen können, aber wir können uns zeigen in aller Öffentlichkeit. Und Aachen ist auf jeden Fall ein Mittel, um diesen Sport der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Welt schaut auf Aachen und der WDR wird live eine Stunde im Fernsehen berichten. Das ist eine riesen Chance und wir sollten alle Kraft daran setzen, den Leuten zu sagen: schaut nach Aachen, das ist unser Sport!

TD:  Vielen Dank Nico für das Interview, wir wünschen Dir alles Gute für die Zukunft und Deinen Job als Bundestrainer. See You in Aachen.